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Wissenswertes

3. Woran erkennt man einen öffentlich bestellten Sachverständigen?

An der Bezeichnung: Nur er darf und muss sich so bezeichnen, wenn er auf seinem Sachgebiet tätig ist.

Am Stempel: Nur er darf einen Rundstempel führen, wie z.B. diesen:

Am Ausweis: Öffentlich bestellte Sachverständige haben einen offiziellen Ausweis , den sie auf Verlangen vorzeigen müssen und in dem neben Personalien, Bestellungsbehörde und Sachgebiet genannt sind.

4. Wann soll man einen öffentlich bestellten Sachverständigen einschalten?

Immer, wenn man sich fachlich unabhängig informieren oder beraten lassen will, eine Fachfrage oder ein fachlicher Streit außergerichtlich geklärt oder der tatsächliche Zustand eines Gegenstandes zu Beweiszwecken festgestellt werden soll.

Bevor ein öffentlich bestellter Sachverständiger beauftragt wird, sollte man stets prüfen, ob man mit dem Gutachten den Zweck, den man anstrebt, auch wirklich erreichen kann. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass das außergerichtliche Gutachten, auch das eines öffentlich bestellten Sachverständigen, für Dritte rechtlich nicht verbindlich ist. Wegen seiner erhöhten Glaubwürdigkeit bildet es aber trotzdem oftmals die Grundlage einer gütlichen Einigung. Die Kosten eines außergerichtlichen Gutachtens hat normalerweise der Auftraggeber selbst zu tragen. Ausnahme: Unverschuldete Haftpflichtfälle (z.B. Kfz-Haftpflichtschäden).

In Gerichtsverfahren sollen nach den Prozessordnungen nur öffentlich bestellte Sachverständige herangezogen werden. Die Kosten des Gerichtssachverständigen trägt die
jeweils unterliegende Partei ganz oder anteilig nach Prozessausgang.


5. Wie geht man mit einem öffentlich bestellten Sachverständigen um?

So, dass er jederzeit seine Pflichten aus seiner öffentlichen Bestellung erfüllen kann.

Öffentlich bestellte Sachverständige sind keine Mitarbeiter der bestellenden Stelle, sondern üben diese Tätigkeit freiberuflich im Haupt- oder Nebenberuf aus. Je nach Sachgebiet haben sie die unterschiedlichsten Grundberufe.
Öffentlich bestellte Sachverständige dürfen bei der Durchführung des Auftrags keine Weisungen des Auftraggebers oder Dritter beachten, die die Objektivität des Gutachtens beeinträchtigen würden; denn auch Dritte, denen ein Gutachten vorgelegt wird (z.B. Bank, Versicherung) müssen sich auf die Objektivität und Richtigkeit verlassen können. Deshalb ist es notwendig, dass der öffentlich bestellte Sachverständige die Grundlagen für sein Gutachten (z.B. Untersuchungen, Besichtigungen, Prüfung von Unterlagen) selbstverantwortlich erarbeitet.

Ein öffentlich bestellter Sachverständiger sollte darum nur beauftragt werden, wenn seine Unbefangenheit sichergestellt ist. Geschäftsbeziehungen, gute Bekanntschaft oder Verwandtschaft und dergleichen stellen die Unbefangenheit und damit die Verwertbarkeit des Gutachtens regelmäßig in Frage.

6. Wie muss der Auftraggeber mitwirken?

Für den Besteller eines Gutachtens besteht eine Mitwirkungspflicht. Sie bedeutet, dass er ...

...alles einschlägige Material zur Verfügung stellt,
...alle Informationen weitergibt, die von Bedeutung sind bzw. sein können,
...dem Sachverständigen jede erforderliche Besichtigung ermöglicht,
...alle notwendigen Untersuchungen durchführen lässt,
...alles unterlässt, um den Sachverständigen einseitig zu beeinflussen;

denn ein objektives, sachlich richtiges Gutachten nützt letztlich dem Auftraggeber mehr als ein sogenanntes „Gefälligkeitsgutachten“, das ein öffentlich bestellter Sachverständiger niemals abgeben darf.